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"Mama, was ist Krieg?"

Wie erkläre ich meinem Kind Krieg?

Bild: colourbox

Russland greift die Ukraine an. Es ist Krieg und der Konflikt berührt viele Menschen - auch unsere Kinder. Wie können wir Eltern die Fragen der Kleinen beantworten? Was sollten wir sagen, was nicht? Tipps vom Kinder- und Jugendpsychologen Ralph Schliewenz.

Sollten wir Eltern abwarten - bis unsere Kinder nachfragen? Oder das Thema selber anschneiden?

Im Prinzip gilt: Fragen, die nicht gestellt werden, muss ich auch erstmal nicht beantworten. Das ist aber natürlich ein bisschen abhängig vom Entwicklungsalter meines Kindes. Wenn es sich um einen Teenager handelt, dann würde ich schon mal proaktiv nachfragen: "Wie beschäftigt dich das?" 

Aber: Jede Frage, die gestellt wird, verdient auch eine Antwort.

Ab welchem Alter kann ich mit meinem Kind überhaupt über Krieg reden?

Krieg ist ein Erwachsenen-Thema. Kinder sind jetzt keine kleinen Erwachsenen. Aber: Wir wissen, dass sie grob ab dem 12. Geburtstag herum durchaus einsichtsfähig sein. Sie sind sicherlich immer noch Kinder, aber sie können sich durchaus schon reflektiert mit Erwachsenen-Themen befassen.

Gehe ich dann knallhart auf die Fakten und sage: "Das und das ist passiert" oder versuche ich kindliche Vergleiche zu ziehen - oder ist das gerade falsch, weil's Kinder mehr Angst machen könnte?

Wichtig ist - unabhängig vom Alter - die Frage: Was will ich erreichen? Ich sollte keine Bilder erzeugen, die das Kind nicht mehr aus dem Kopf herausbekommt. Je nach Altersgruppe würde ich mir also sehr genau überlegen, ob ich wirklich die normalen Nachrichten schaue. Schließlich gibt es auch Kindernachrichten, die das dem Alter entsprechend anders aufbereiten. (Link: Logo!-Die Kindernachrichten im KiKa)

(c) KiKa

Logo! Kindernachrichten vom 24.02.2022

Den Medien kommt hier sowieso eine ganz besondere Bedeutung zu, denn über die erfahre ich ja überhaupt was von diesem Krieg. Die aktuelle Elterngeneration und zum Teil ja sogar die Großeltern-Generation hat selbst Krieg nie erlebt. Wir kennen Krieg nur aus den Medien, aus Erzählungen und dem Geschichtsunterricht.

Es spielt bei manchen Kindern auch die Frage eine Rolle: "Kann dieser Krieg zu uns kommen?" - und was ist, wenn ich als Erwachsener selbst Angst davor habe?

Kinder spüren Unruhe bei Erwachsenen. Wenn wir unsere Ängste, unsere Emotionen nicht unter Kontrolle behalten können, dann überträgt sich das natürlich auf die Kinder. Je ängstlicher, je unsicherer sich die Erwachsenen zeigen, desto größer ist auch die Gefahr, dass das bei den Kindern passiert.

Zur Zeit geht es im Russland-Ukraine-Konflikt für uns vor allem um wirtschaftliche Fragen, also Erwachsenen-Themen. Damit würde ich Kinder nicht belasten - es sei denn, sie stellen konkret diese Frage. Dann würde ich auch so antworten, wie ich es für richtig halte - ohne das Kind zu verunsichern. Wenn das Kind zufrieden ist, dann hört es auf zu fragen. Wenn das Kind mit der Antwort unzufrieden ist, dann fragt es weiter - und dann höre ich weiter gut zu.

Das Interview hat Claudia Conrath geführt und wurde am 24.02. um 09.15 Uhr ausgestrahlt. Ihr könnt es sieben Tage lang in der BR-Radio App nachhören!